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Trainingslager Mallorca, Alcudia 2010
Tag 1 - Samstag, 13. Februar 2010 Ankunft
Nach dem ich mich stundenlang schlaflos im Bett herumgewälzt hatte, stand ich um 3 Uhr morgens auf, um eine halbe Stunde später ins Taxi zu steigen und noch zwei der dreizehn anderen RSVler aufzugabeln. Recht pünktlich hob um 6:45 Uhr unser Flugzeug nach Palma de Mallorca ab, um nach knapp zwei weiteren für mich schlaflosen Stunden dort anzukommen. Mit dem Bus wurden wir über die schöne Insel zum Hotel Viva Tropic in Alcudia gebracht. In schlafwandlerischem Zustand baute ich mit den Übrigen die Rennräder auf, damit wir um viertel nach Zwei dann unsere zweieinhalb Stunden lange Einsteigerrunde drehen konnten, welche uns durch das an Alcudia grenzende Naturschutzgebiet in Richtung Sa Pobla führte und entlang der Küstenstraße wieder nach Hause ins Hotel. Abends ging es für die meisten - vor allem für mich - früh ins Bett.
Tag 2 - Sonntag, 14. Februar 2010 Erster Formtest
Nach einem für mich sehr erholsamen Schlaf (14 Stunden habe ich schon lange nicht mehr geschlafen) begann der Tag mit dem halbstündigen Morgensport bestehend aus Joggen, Dehnen und einem ausgiebigen Frühstück, womit wir eine gute Grundlage für den neuen Tag legten. Bei leichtem Nieselregen, der uns während der dreistündigen Tour immer wieder begleitete, fuhren wir auf den Berg Betlem und brachten unsere ersten richtigen Höhenmeter hinter uns. Eine schnelle Gruppe fuhr auf dem Rückweg noch ins Hinterland, ich kam mit ziemlich genau 3 Stunden in den Beinen zurück, die meisten Anderen nach 100 gefahrenen Kilometern eine halbe Stunde später. Wie ab dann jeden Abend trafen wir uns nach einem ausgiebigen Essen zur Besprechung des vergangenen und des kommenden Tages in der schönen Lobby unseres Hotels.
Tag 3 - Montag, 15. Februar 2010 Regen
Wie immer begannen wir unseren Morgen mit Sport und Frühstück, um 11 Uhr begaben wir uns während leichtem Nieselregen auf die Räder, um unsere vierstündige Tour nach Petra im Zentrum der Insel zu starten. Während der Hinfahrt nahm der Regen immer mehr zu, doch dank der Temparatur von 12 Grad und Überschuhen war mir trotz Durchnässung warm, dies ging jedoch nicht allen so. In Petra trennten wir uns wiederum in zwei Gruppen, meine Gruppe ließ einen Berg aus und fuhr eine längere hügelige Strecke zurück, wobei mich auf den letzten 10 Kilometern ein starker Gegenwind von Osten zur Verzweiflung brachte. Die Gruppe, die noch den Berg mitgenommen hatte, näherte sich laut Beschilderung bis auf wegen des Unwetters bedrohliche 20 km an Palma de Mallorca an. Dazu lautete die Frage eines etwas ermüdeten Fahrers: „Das ist aber nicht das Palma wo wir letztes Jahr waren..?“
Tag 4 - Dienstag, 16. Februar 2010 Endlich Sonne
Nach dem Morgensport widmeten wir uns wie gewohnt einem riesigen Frühstück, das ich hier mal etwas genauer beschreiben möchte: Der Verfressenste (aber auch mit der dünnste meiner Mitfahrer) spachtelte 2 Spiegeleier mit sehr viel Speck, 2 Pfannkuchen (einer davon mit Nutella und einer mit Zucker), zwei große Schalen mit Müsli und Joghurt und dazu noch Obst, also Orangen und Wassermelonen (viele Stücke Wassermelonen) in sich hinein… Damit startete unser bisher schönster Tag. Obwohl in den Nachrichten halbtägiger Regen vorhergesagt wurde, war das Wetter wunderbar, nur wenige Wolken und hohe Temperaturen bescherten uns das ideale Trainingswetter. Einzig durch eine Serie von Defekten wurde uns der Spaß ein wenig getrübt; wir hatten zwei Platte, einen Sturz, der zum Glück ohne Folgen blieb, und einen dank unseres Trainers reparablen Kettenriss zu meistern. Trotz alledem bezwangen wir den ca. sechshundert Meter hohen Berg Coll de Hono hinter dem Ort Orient, die Spitzengruppe sehr schnell. Schnell wurden auch kleinere Zwischenabfahrten mitgenommen, die mit „völligem Kontrollverlust bei maximalen Risiko“, aber zum Glück unfallfrei gefahren wurde. Auf der wunderschön gewundenen Abfahrt fuhren wir mit hohen Geschwindigkeiten über Santa Maria del Cami und andere kleine Städte durch das Hinterland zurück, insgesamt erreichten wir so 148 km in über fünf Stunden. Abends blicken wir auf vier vergangene Trainingstage zurück; wir alle und auch unser Material hatten einen Ruhetag nötig.
Tag 5 - Mittwoch, 17. Februar 2010 Ruhetag
Trotz weiterhin tollem Wetter legten wir besagten Ruhetag ein, an dem neben dem Morgensport nur ca. eine Trainingsstunde mit gemäßigtem Tempo geplant war. Danach statteten wir dem Radhändler ein Besuch ab und brachten unsere Räder in Ordnung. Beim gemeinsamen Mittagessen, welches wir an der kleinen Küchenecke im Zimmer zubereitet hatten, tauschten wir uns über das bisher Erlebte aus, danach nutzten wir die freie Zeit zum Schwimmen oder Saunieren. Einige sprangen todesmutig in den Außenpool: „kalt, kalt, kalt - raus hier, aah, warm“.
Tag 6 - Donnerstag, 18. Februar 2010 Randa
Da abends Regen gemeldet war, beeilten wir uns, zügig loszukommen um die geplanten viereinhalb Stunden vorher zu absolvieren. Unsere Tour führte uns auf den 50 km entfernten Puig de Randa, der nach einer langen Auffahrt eine tolle Aussicht über große Teile Mallorcas bot. Danach fuhren wir auf schönen hügeligen Straßen wie schon am Montag zur Stadt Petra und von dort aus zurück zu unserem Hotel. Der Regen blieb uns wiederum erspart. Die schnellere Gruppe erlitt eine Reifendefekt, als eine Naht einfach aufplatzte, zum Glück hielt der Reifen noch 50 km bis zum Hotel, auf dem Weg dorthin fuhr die Gruppe den Nachwuchsfahrern Sprints an, die so mal in das Vergnügen eines Sprinterzuges kamen. Auf einer leichten Abfahrt erreichte man so Spitzengeschwindigkeiten von fast 80 km/h. Beide Gruppen waren fast fünf Stunden unterwegs.
Tag 8 - Freitag, 19. Febraur 2010 Cap Formentor und nochmal Regen
Am vorletzten Trainingstag stieg schon langsam Wehmut über das nahende Ende in mir auf, doch ich wurde von unserer sowohl schönen als auch harten Tour abgelenkt. Sie führte uns erst mal bei noch strahlendem Sonnenschein zum Cap Formentor, von Mallorquinern auch als Treffpunkt der Winde bezeichnet, von denen wir jedoch damals kaum spürten. Das Cap wartete mit einer Bergkette auf, die wir hin und zurück überwinden mussten, wobei wir mit wunderschönen Ausblicken auf den Hafen von Pollenca und auf Minorca, die kleinere Nachbarinsel Mallorcas, belohnt wurden. Auf dem Rückweg fuhren wir über Pollenca in die Berge, es folgte ein langer Anstieg auf den knapp 600 Meter hohen Sa Batalla, welcher in der Nähe des Klosters Lluc liegt. Von dort aus pesten wir eine langen Abfahrt mit vielen Serpentinen zum Ort Caimari hinab, wo wir uns in zwei Gruppen teilten und auf großen und kleinen Umwegen zurückfuhren. Alle kamen zum dritten Mal binnen fünf Tagen in den Regen. Ende des Tages hatten wir ca. 144 km und 5,5 Stunden auf dem Rad gesammelt, doch der anspruchsvollste Tag sollte ja erst noch kommen, und alle Radklammotten waren mittlerweile nass geworden…
Tag 9 - Samstag, 20. Februar 2010 Königsetappe
Am zweiten Samstag und damit unserem letzten Trainingstag machten wir die längste Tour mit den meisten Höhenmetern. Über Sa Pobla und das Hinterland fuhren wir bei starkem Gegenwind bis zum Sa Batalla. Diesen hinauf zu kommen fiel mir wesentlich leichter als am Vortag, wir fuhren diesmal von Inca aus hoch, wohin wir am Vortag nach der Abfahrt kamen. Vom Gipfel aus ging es durch das Herz der Serra Tramuntana weiter auf den Puig des Reis, den Einstiegspunkt zu der wunderschön geschwungen und nahezu legendären Abfahrt hinunter nach Sa Calobra. Allerdings folgte die ca. einstündige Auffahrt, die für mich der anstrengendste Teil des Trainingslagers war, aber auch wunderschöne Aussichten bot, die man dank des geringen Tempos gut genießen konnte. Eine Gruppe genoss die schöne auf den Sa Calobra folgende Abfahrt und fuhr über Pollenca zurück. Einige (meiner Meinung nach Größenwahnsinnige) nahmen noch den 900 Meter hohen Puig Major und, als ob das nicht genug wäre, den Soller mit. Nach sieben Stunden und der letzten mit einem 35er Schnitt mussten die alle von ihnen dann trotz des vorherrschenden Rückenwindes die Zähne zusammenbeißen und an das herrliche Abendessen denken. Der Abschluss wurde gemeinsam gefeitert, als wir abends noch in der Lobby lange zusammensaßen und abends alle auch erst spät ins Bett gingen.
Tag 10 - Sonntag, 21. Februar 2010 Heimkehr
Nach Morgensport und Frühstück packten wir unsere Koffer und Räder ein und wurden um kurz vor Zwölf zum Flughafen gebracht. Dort schauten wir uns schonmal einige Fotos der vergangenen Woche an und verabschiedeten uns von unserem 17. Bundesland. Nach einem recht turbulenten Flug kamen alle unverletzt wieder zu Hause an.
Danke an alle, die beim Trainingslager dabei waren und an die Organisatoren, wir hatte eine super Zeit, konnten eine gute Grundlage für die neue Saison bilden und unsere psychische Belastbarkeit ausbauen.
Jonas Seidel
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